Mossestraße im Prenzlberg

Rudolf Mosse Biografie 

Spuren

Mosse-Straße in Charlottenburg
















































































 

 

 

 

 

 




Schon am 3. Juni 1945 fand auf dem Sportplatz "Einsame Pappel" die erste Nachkriegs-Sportveranstaltung statt, an der auch sowjetische Armeemannschaften teilnahmen.
Nach der Gründung der Freien Deutschen Jugend am 7. März 1946 entstanden im Zentralrat Pläne für ein deutschlandweites Treffen der Jugend. Zunächst als Friedens- und Einheitsbekenntnis für ganz Deutschland gedacht, geriet es im sich zuspitzenden Kalten Krieg immer mehr zur Demonstration der Überlegenheit und des Aufbau- und Erneuerungswillens der Jugend der Sowjetzone, seit Oktober 1949 der DDR.

 


Zu einem der Veranstaltungsorte wurde das Exergelände bestimmt. Schon bald nach Kriegsende hatten hier, wie überall in Berlin, die Aufräumarbeiten begonnen. Zeitzeugen berichten, dass zuerst die zahlreichen Feuerlöschteiche zugeschüttet wurden, die während des Bombenkrieges am Rand des Falkplatzes und des Exer angelegt worden waren.

Die Pläne für das Deutschlandtreffen sahen die (Wieder-) Errichtung von Fußballplätzen, Planschbecken, Tennisplätzen, eines Stadions und anderer Sportanlagen vor. Partei und Jugendorganisation riefen zu freiwilligen Aufbauaktionen.
1949/1950  wurde das gesamte, von der Schönhauser Allee bzw. der Cantianstraße nach Westen zum Güterbahnhof der Nordbahn leicht abfallende Gelände mit Trümmerschutt aufgefüllt und eingeebnet. Auch das Stadion lag (und liegt) auf einem Trümmerberg.

Foto links: Aufschüttung der Tribünen, aus ND vom 8. Juli 1950
 

 

"Gelbe Sandberge, Steine, Staub, viel Staub. Das ist der „Exer", wie der Berliner sagt, an der Cantianstraße—Schönhauser Allee. Hier entsteht eine der schönsten Sportanlagen. Ein großzügig angelegtes Stadion, dahinter Tennis-, Basket-, Volleyballplätze. Das Rund des Stadions ist schon ausgehoben, Lastwagen auf Lastwagen rollt hinein. Die Schuttmassen im Innern werden mit einer Sanddecke bedeckt, darauf kommt Muttererde, die mit sattem grünem Rasen bepflanzt werden wird, Schon der Gedanke an frisches Grün tut einem wohl, wenn man—sich sehr verloren fühlend — über die Sandberge klettert, hier einem Lastwagen ausweicht, dort einen respektvollen Bogen um das gefräßige Maul eines Greifbaggers macht und dabei immer über Steinbrocken stolpert."

Die Rudolf-Mosse-Straße wurde im wahrsten Sinne des Wortes begraben. Auch wenn heute hier und da noch Spuren ihres einstigen Verlaufs zu sehen sind, kann man ihr Verschwinden symbolisch deuten: Die Vergangenheit sollte begraben sein. Die Zukunft gehörte dem Sozialismus und der fortschrittlichen Jugend.

"Über diese breite Straße wird die junge Inderin im langen Seidengewand schreiten, die Pelznäherin Renee aus Paris und die junge Textilarbeiterin Maud aus Birmingham werden hier Arm in Arm mit dem Studenten Laszlo aus Budapest und dem Traktoristen von der MAS Dahlewitz gehen. In allen Sprachen der Welt werden die Worte Freundschaft, Frieden Glück gesprochen werden, und junge lebendige Hände werden sie mit festem Druck bekräftigen. „In Westberlin bauen sie andere Straßen, Panzerstraßen", sagt der kleine Horst Bittdorf, und in seiner Empörung wirft er den Sand noch schneller als bisher auf das Förderband. Er weiß, was Panzerstraßen bedeuten. Sie brachten seinem Vater den Tod. Auch die Mutter hat den Krieg nicht überlebt. Die kleineren Geschwister sind von irgendwem adoptiert worden. Horst wohnt im städtischen Lehrlingsheim in Schwerin. In der FDJ-Gruppe des Heimes hat er Ersatz für seine Familie gefunden. Er wird nicht zulassen, daß andere Jungen dieselben bitteren Tränen weinen müssen, die er damals so manche Nacht geweint hat."

aus ND vom 8. Juli 1950

 



Foto rechts: Einer der Steine für die Tribünen des Stadions. aus: ND vom 8. Juli 1950
Möglicherweise gehört das Fenster im Hintergrund zum letzten, damals noch existierenden Haus der ehemaligen Falkplatzsiedlung.

Die Bauarbeiten im Jahn-Sportpark verzögerten sich, bis zum Deutschlandtreffen wurden nur die Sportplätze fertig. Schuld an den Verzögerungen waren nicht zuletzt Unregelmäßigkeiten in der Bauleitung, wie das Neue Deutschland am 27. Juni 1951 berichtete:

"Bei einer Kontrolle auf der Baustelle des Sportstadions „Einsame Pappel" in der Cantianstraße stellten Gewerkschaftsfunktionäre der IG Bau-Holz des FDGB Groß-Berlin fest, daß zum Beispiel in einer einzigen Woche 35 000 DM für angeblich geleistete Transport- und Abladearbeiten gezahlt wurden. Die dabei in Rechnung gestellten Erdmassen sind aber in Wirklichkeit nicht bewegt worden. Um insgesamt etwa 400 000 DM wurde bisher mit diesen betrügerischen Machinationen der Staat betrogen. Diese Summe entspricht ungefähr 10 Prozent der Gesamtkosten des Baus."

Mit einer geschickten Wendung wurde aus dem selbstkritischen Ansatz ein Angriff auf den Klassenfeind:

 "So versuchen verbrecherische Elemente, den Aufbau der Friedensbauten in Berlin zu sabotieren. So versuchen sie, die Erfolge der angestrengten Arbeit der Werktätigen zunichte zu machen."

 


 


Foto links: Im Juli ist das Stadion fast fertig.

Die "Große Stunde" des Cantian-Stadions schlug 1951 bei den Weltfestspielen, als hier ein Großteil der Wettbewerbe der "Akademischen Sommerspiele" stattfand.

 "Allüberall der Hammer ertönt,
    die werkende Hand zu uns spricht:
    Deutsche Jugend pack an, brich dir selber die Bahn,
    für Frieden, Freiheit und Recht,
    keinen Zwang und kein Drill
    der eigene Will ´bestimme dein Leben fortan.
    Blicke frei in das Licht, das dir niemals gebricht.
    Deutsche Jugend, steh deinen Mann.

Bau auf, bau auf, bau auf, bau auf, Freie Deutsche Jugend, bau auf! Für eine bess´re Zukunft richten wir die Heimat auf!"