Romeo & Julia in Neukölln
Produktionstagebuch

 

                                               
 
  • Fotos der Aufführung am 18.6.04

  • Fotos der Preisverleihung  am 14.9., 11:30-14:00 im Roten Rathaus  und mehr  Presse (.pdf)

  • das Stück wird in Vechta weiter entwickelt (2007)

  Ernst-Abbe-Gymnasium
Sonnenallee 79
12045 Berlin
Telefon: (030) 6809-2423
Email: info@ernst-abbe.de
   

                                               
 

Ablauf:

  • nach einer Diskussionsphase über Stückstruktur und die inhaltlichen Schwerpunkte in der ganzen Gruppe hat sich eine Textgruppe mit dem Exposé befasst (siehe Mails unten), während die übrigen Schülerinnen und Schüler mögliche Anfangsszenen probten und Sprache, Figuren und die verschiedenen Theatermittel ausprobierten
  • bis Ende März war Zeit für weitere Vorschläge und Verbesserungen, am 31.3. fand die abschließende Textkonferenz mit allen Beteiligten statt (Ergebnis)  danach wurde gelernt und geprobt, der Text hat sich während der Proben verändert (Aufführungstext)
  • die Uraufführung fand am 18.Juni in der Ernst-Abbe-Oberschule statt und war ein schöner Erfolg, Fotos gibt es hier 

Textfassungen

 

hier die Doku der Mails in der Textgruppe:

 

 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
                                               
 

die Mails der Textgruppe

Holger 12.2.04

Liebe Mitschreiberinnen,

ich schlage vor, dass wir die Anfangsszene zuletzt schreiben -sonst wird uns das in den nächsten beiden Schulstunden vielleicht wieder über den Haufen geworfen,

die Schluss-Szene haben wir schon ungefähr:
sie soll etwa so aussehen wie bei Shakespeare,
also Romeo nimmt Gift, weil er glaubt, dass Julia tot ist,
und spätestens wenn er umfällt und Julia erwacht, weiß auch der letzte Zuschauer, dass es tragisch (wie bei Shakespeare) endet,

nur kommt dann unsere moderne Wendung und Julia zieht nicht den Dolch sondern das Handy aus der Tasche und rettet Romeo (und alle sind gerührt und verzeihen sich unter Tränen - naja, das müssen wir dann nicht so ernst machen)

fehlt also nur ein bisschen Text "dazwischen" :-)

um das zu finden, schlage ich vor:

wir überlegen mal, was unsere Julia dazu bringen könnte, so tief in Ohnmacht zu fallen, dass Romeo sie für tot halten kann,
geht eigentlich nur mit ´ner Art Droge, oder? Irgendso eine verschmutzte Ecstasy oder ähnliches?
und warum nimmt sie das?
weil sie unglücklich ist und sich umbringen will?
spekuliert sie vielleicht darauf, dass die Erwachsenen über ihren Selbstmordversuch erschrecken und nichts mehr gegen ihre Liebe haben werden?

auf jeden Fall muss Julia verzweifelt sein, ihr Selbstmordversuch soll ja Ausdruck von Verzweiflung sein und letzte Möglichkeit, also:
was haben Romeo und Julia versucht (vielleicht auf verschiedene Weise), um
- sich entweder über die Verbote der Eltern hinwegzusetzen?
- oder die Eltern zu überzeugen?
und was ist mit den Eltern los, dass das nicht geklappt hat?

wenn wir diese Fragen beantwortet haben, ist unser Gerüst fertig (möglichst bis zum nächsten Wochenende, also 15.2.) welches wir dann füllen können (in der nächsten Woche), am 22.2. sollte dann der Inhalt so ungefähr stehen, damit ich das bis zum drauffolgenden Mittwoch nochmal überarbeiten kann,

falls mal jemand was nicht veröffentlicht haben möchte: bitte ansagen.

Grüße für heute vom Holger Siemann

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Asiye und Emine 14.2.04

Hallo Herr Siemann,

Tut uns leid, dass wir so spät antworten, aber kommen wir gleich zur Sache.

Die Idee mit der Droge ist sehr interessant, nur stellt sich dann die kopfzerreissende Frage, wie Julia überhaupt an dieses Zeug rankommt.
-hat sie es von jemanden bekommen?
-oder ist sie schon so tief gesunken, dass sie sich mit Drogendealern abgibt?
(wobei wir die erste Variante realistischer finden):-)

 Nach tagelanger Überlegungen und schlaflosen Nächten, sind wir zur folgender Idee gekommen:

Die coole Schwester (muss nicht ungedingt einer der Schwestern sein, kann auch einer der Freundinnen sein, die in der ersten Szene mitspielten), interessiert es nicht die Bohne, dass Romeo und Julia sich lieben. Und da die coole Schwester unbedingt das neuste Handy mit allem drum und dran  haben will und rein ZUFÄLLIG der Vater Romeo die Summe gegeben hat, die man für dieses Handy benötigt, beschließt sie sich, Romeo zu helfen. Natürlich ist nicht´s umsonst, dafür verlangt sie das Geld. Wenn dann der Deal zwischen Romeo und der Schwester abgeschlossen ist, besorgt sie die Droge, übergibt es entweder Mercutio oder Benvolio und der überreicht es dann, natürlich ganz unauffällig und top secret, Julia.

Schöne Grüße von Asiye und Emine

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Holger am 14.2.04

Hallo, Nachtgrübler,

na, hoffentlich erholt Ihr Euch am Wochenende wieder.  Da habt Ihr ja wirklich ein gravierendes Problem ausfindig gemacht.

Das mit der Schwester ist ja fein ausgedacht, aber es erklärt dann doch nicht warum Julia die Droge nimmt, oder?  Wie wär´s denn mit einer wirklich fiesen Variante:

  1. glauben die Eltern von Julia, dass Romeo was mit Drogen zu tun hat (was nicht stimmt)
  2. gibt es eine Mitschülerin von Romeo, die nicht will, dass er mit Julia geht (Eifersucht)
  3. und diese fiese Zeitgenossin überredet Julia zum Drogenkonsum (mit verheerenden Folgen: denn Julia ist ko. und außerdem sind ihre Eltern wütend, ungerechterweise, auf Romeo)

das wäre zumindest eine Verwirrung, die Shakespeare viel Freude gemacht hätte. Ich erwäge, am 18. oder in der Woche drauf in die Schule zum Schreibteam zu kommen. Hm. Ma sehn.

Grüße vom Holger

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duygu akbulut am 15.2.04

hallo hr.sieman, tut mir leid, dass ich erst so spät antworte!
ich finde die idee von den drogen und von asiye und emine eigentlich ganz gut nur habe ich nicht ganz verstanden was asiye und emine meinten!
jedenfalls finde ich die idee, dass vielleicht jemand, der julia nicht mag und nicht will, dass romeo und julia zusammen sind, die drogen julia geben könnte ohne, dass julia weiß was es ist.
ich hab eine frage: ab welcher szene schreiben wir?damit ich weiß, wo ich anfangen könnte zu schreiben.
bis bald
duygu akbulut

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Holger am 15.2.04

Hallo Duygu,
Wir müssen uns wohl noch ein bisschen gedulden mit dem Schreiben.
Ich beziehe mich auf meine Mail vom 12. und gehe nochmal rückwärts von der Schluss-Szene:
Julia hat also die Drogen von einer (vermeintlichen, aber in Wirklichkeit boshaften) Freundin bekommen.
Sie hat die Drogen genommen weil es ihr schlecht geht, weil sie verzweifelt ist (schließlich lässt sich niemand einfach so bequatschen) und verzweifelt ist sie aus Liebeskummer (was anderes kommt nicht in Frage, denn wir schreiben ja Romeo und Julia).
Der Dreh- und Angelpunkt ei
ner Liebesgeschichte ist also?, nein, nicht etwa die Liebe. Die Geschichte wäre schnell zu Ende, jeder erlebt das gern, aber keiner will es erzählt bekommen. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Schwierigkeit, die überwunden wird.
Da müssen wir nochmal drüber nachdenken – was stürzt die beiden, vor allem Julia, so ins Unglück? Überlegt mal bitte: Wenn Ihr Euch gerade verliebt hättet - was würde Euch denn so richtig schwer treffen? Was könnte die Schwierigkeit in unserer Geschichte sein (heißer Tip: Shakespeare hat sich darüber auch Gedanken gemacht)
Wenn wir das rauskriegen, können wir die wichtigste Szene unserer Geschichte schreiben.
Also: An  die Tasten, fertig, los!

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Derya am 16.2.04

Ich gehöre ja nicht zur Schreibertruppe aber ich habe ne Idee wieso Julia so verzweifelt sein könnte. Es kann ja sein, dass die "Freundinn" von Julia  unserem Romeo sehr nahe tritt, also Sie wissen bestimmt was ich meine. In diesem Augenblick könnte Julia die beiden sehen und verzweifelt sein,nur wollte Romeo mit der Freudin doch garnichts zu tun haben, aber sie ist ja sehr hinterhältig! Das wäre meine Idee. Derya.

Asye am 16.2.04

Auf ihre Frage hin, was Julia dazu gebracht haben könnte, Drogen zu nehmen, habe ich folgende Antwort parat:
Aber um diese Frage beantworten zu können, müssen wir erst einmal wissen, warum die Familien sich nicht ausstehen können...
Wir können es doch so machen, das Montague und Capulet schon seit Jahrhunderten befeindet sind. Und um diese " Tradition" aufrecht zu erhalten, spielen die beiden Familien weiterhin die beleidigten Leberwürste, ohne zu wissen, warum sie überhaupt befeindet sind.
Wenn Romeo und Julia ihre Eltern für den Grund des Streites ansprechen, blocken sie schlicht und ergreifend ab. Vielleicht macht grad dieses unmögliche und kindliche Benehmen der Eltern Julia so verzweifelt, dass sie zu solch ein schmutziges Zeug greift. Wenn es zumindest einen guten Grund für die Befeindschaft geben würde, wäre Julia womöglich einsichtig und könnte die Gefühle der Eltern verstehen, dass sie sich nur Sorgen um ihre Tochter machen...
aber ohne jeglichen Grund und aus purer Naivität nicht mit der anderen Familie zu reden, ist für Julia der Höhepunkt, was sie dazu führt, Drogen zu nehmen, um ihren Eltern endlich die Augen zu öffnen, was sie mit der Befeindschaft bei ihr anrichten. Dadurch will sie ihren Eltern nur zeigen, wie sehr sie doch Romeo liebt...(wie ich solch ein Gesülze hasse!!!)

Holger am 16.2.04

Liebe Asye, meine Spezialantwort für Deinen Vorschlag:
Hm. Naja. Ich finds ja nicht sooo sehr spannend, dass es eben schon immer so war. Ich verstehe, dass Du das für besonders schlimm hältst, wenn die sich hassen ohne Grund - aber wie ist es für Julia? Wäre es für sie nicht komplizierter, wenn die Eltern "einen guten Grund" hätten, Romeos Familie abzulehnen? Das macht es doch erst so richtig aussichtslos (ansonsten würden wir natürlich alles versuchen, die Eltern umzustimmen, zu umschmeicheln, unter Druck zu setzen, da haben wir schon unsere Mittel, oder?)
Ich denke, wir sollten dieses Dilemma für Julia so sehr zuspitzen, dass Julia dann - da hast Du Recht - ihren Eltern zeigen will, was sie mit ihrer Intoleranz, mit ihrem Hass anrichten. Wie wir das genau und im Detail machen, können wir der Textphase überlassen.

Ich fasse nochmal zusammen: Wir haben also somehow "fanatische" Julia-Eltern, irgendwie weichbirnige Romeo-Eltern und die beiden Elternpaare können nicht richtig miteinander (die Szene könnte so ähnlich funktionieren wie bei Shakespeare die Begegnung Tybalt-Mercutio-Romeo). Julia hat eine "fiese Freundin" und Romeo hat Freunde und Schwestern. Ih r könnt ja nochmal weiter oben auf dieser Seite schauen, was uns noch fehlt.

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Derya am 17.2.04

Ich hätte mal ne Frage? Wie wäre es denn mit meinem Vorschlag? Habe nämlich noch keine Antwort bekommen :-) Also das mit dieser Freundin

Holger am 17.2.04

Liebe Derya, autsch, verzeih bitte :-) ich  denke, dass wir das morgen im Schreibteam mit besprechen können. Meinst Du, wir können unsere Behauptung, dass nämlich Julia und Romeo ein Liebespaar sind, durchhalten wenn wir zeigen, wie Romeo mit einer anderen rummacht? Mich bringt Deine Nachfrage allerdings auf die Idee, dass wir ohne eine Liebesszene zwischen Romeo und Julia nur die Hälfte der Geschichte erzählen. Da müssen wir auch unbedingt mal wieder ins Original reinschauen, was?

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das Ergebnis der "Storykonferenz" am 18.2.04:

   
           
     
  1. Julia und Romeo, die eng umschlungen auf der Straße gehen, werden von Julias Freundin beobachtet, die Freundin erzählt „brühwarm“ den dazukommenden Freunden von Romeo, was da abgeht, und alle denken: Romeo und Julia zusammen - das gibt Ärger mit den Eltern.
  2. Romeo und Julia treffen die Freunde Romeos, die am Wochenende zu einem Rave fahren wollen, Julia möchte mit und endlich auch mal was vom Leben mitkriegen.
  3. als die Jungs weg sind, erzählt die Freundin Julia, dass sie sich lächerlich machen würde, wenn sie noch nie Drogen genommen hätte und bietet an, Julia welche zu besorgen, die lehnt ab
  4. Julia fragt ihre Eltern um Erlaubnis, aber die verbieten ihr den Umgang mit Romeo, in dessen Familie man Alkohol trinkt
  5. (Balkonszene) Romeo klettert sich in Julias Zimmer, Julia hat Angst vor der Zukunft und weil ihr Vater sehr zornig werden kann. Sie verabreden etwas - black
  6. am nächsten Morgen erwischt Julias Mutter die beiden im Bett und ist außer sich, die Eltern sprechen Stubenarrest aus und teilen Julia mit, dass sie in den Sommerferien in der Türkei ihren künftigen Mann kennenlernen wird,
  7. Julia klettert aus dem Fenster und trifft ihre Freundin, die inzwischen Drogen besorgt hat, Julia ist verzweifelt und glaubt deren Versprechen, dass es ihr mit den Drogen besser gehen wird
  8. sie nimmt die Drogen und wird ohnmächtig, die Freundin hört Schritte und versteckt sich, Romeo findet Julia
  9. Romeo ist verzweifelt und nimmt den ganzen Rest der Drogen, die Freundin ist entsetzt, denn diese Dosis ist tödlich, Romeo bricht zusammen, schreiend rennt die Freundin herum und ruft um Hilfe
  10. die Eltern laufen zusammen, Julias Vater beschuldigt Romeos Vater, am Tod der Kinder schuld zu sein, und umgekehrt, sie gehen sich an die Gurgel, bis es den Müttern endlich reicht,
  11.  „großer Monolog“ der Mutter, allen tut es nun leid, dass ihre Intoleranz den Tod der Kinder herbeigeführt hat, wenn sie könnten würden sie jetzt alles anders machen
  12. plötzlich wachen Julia und Romeo auf, sie haben alles nur gespielt (Romeo und Julia hatten sie in der Schule) und die Eltern sind glücklich und wütend zugleich, Julia und Romeo rennen weg
  13. wieder streiten sich die Väter und diesmal auch die Mütter, da kracht es draußen: der Krankenwagen hat Romeo und Julia überfahren

 

   
         
         
         
         
         
         
         
         
                                               
                                               

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