IndierInnen

ein Pasticcio der Neuköllner Oper Berlin 2001

Libretto: Holger Siemann; Regie: Dirk Rave; Bühnenbild/Kostüme: Heide Schiffer-El Fouly

 
                       
   

„Nicht nur außerordentlich gut gemeistert vom spiellaunigen Sängerdarstellerquartett... das munter die Rollen wechselt, sondern zudem mit Charme und Witz erzählt von Dirk Rave, dem jungen Regisseur. Rave wagt, von seinem Librettisten Siemann pointenreich unterstützt, einiges. Er wagt den Zusammenschluss von üppig ausgestalteter Oper mit zeitgeistigem, arg frechem Kammerspiel...“ (FAZ)

“Die Fans drängten sich in den kleinen Opern-Raum und wurden wieder einmal Zeuge des Wunders von Neukölln, das da heißt: Aus wenig Kosten mach viel Oper und viel Spaß. Kultursenator Stölzl drängte sich auch und sah glücklich aus.“ (B.Z.)

„Die Idee ist herrlich kurios.... Das ist aktuell, das ist tragisch und befasst sich mit den großen Themen der Welt: Von der Armut in der Dritten Welt über die Ausbeutung von Frauen bis zum immerwährenden Kampf zwischen Gut und Böse.“ (Berliner Morgenpost)

„An dieser wüsten Interpretation der so genannten großen Oper haben sicher nicht nur Meyerbeerianer ihren Spaß“ (Spiegel online)

   
                       
1. Akt: 

Soraya kehrt nach abgeschlossenem Informatikstudium in ihr nordostindisches Heimatdorf zurück. Ihr Mann Mahatma, gelähmt nach einer Tretminenexplosion, hat jahrelang Tag und Nacht Streichhölzer geschnitzt, um Soraya zu unterstützen. Die Freude ist groß.

Der Dorfguru sieht Sorayas selbstbewusstes Auftreten nicht gern und verbündet sich mit dem Finanzhai Amor von Kaufland, bei dem Mahatma Schulden machte, um Sorayas Studium zu finanzieren. Kaufland fühlt sich herausgefordert und angezogen von der gebildeten jungen Frau, aber sie lehnt seine Avancen ab und nimmt statt dessen, wenn auch schweren Herzens, das Greencard-Angebot einer deutschen Chipfabrik an.

 
                       
2. Akt

Der  2. Akt sieht sie in einer deutschen Chipfabrik: Hier schuftet sie Tag und Nacht bis zur Erschöpfung. 

Soraya träumt von einer Zukunft mit Mahatma. Sie schreibt ihm nichts von ihren nächtlichen Tränen, schließlich soll er ja kein schlechtes Gewissen haben. Aber Soraya weiß: Sie arbeitet auch für die Operation, durch die Mahatma eines Tages wieder gehen können soll.

Alles würde gut gehen, vielleicht, wenn nicht nationale Zwistigkeiten in der Computerfabrik ausbrechen würden: Die indischen Programmierer sind sauer darüber, dass der pakistanische Vorarbeiter Soraya nachstellt.

Sie singen trotzig eine Hymne auf ihre Heimat Indien und fordern den Vorarbeiter auf, mit ihnen anzustoßen. Der jedoch trinkt auf Pakistan. Die Wut kocht über.  

Wütend schlagen die überarbeiteten Programmierer auf den Vorarbeiter ein, bis der sich nicht mehr regt, und fliehen. Soraya ist schockiert und will ebenfalls fliehen, doch inzwischen hat der gierige Amor von Kaufland ihren Aufenhaltsort ermittelt und entführt sie auf seine Burg.

 
   
                       
3. Akt 

Mahatma sitzt in der Dorfkneipe und verfällt dem Alkohol, nutzlos und traurig weil Soraya seine paar Rupien nicht mehr braucht.

Der Dorfguru erkennt seine Chance: Er beschwört Mahatma, sich den Traditionen zu fügen, dann könnten die uralten Götter Indiens ihm vielleicht helfen, wieder zu gehen. Er müsse nur Soraya in sein Haus

einschließen und ihrem emanzipierten Treiben ein Ende setzen. Beinahe siegen seine hypnotischen Fähigkeiten - doch die Wirtin der Kneipe weckt Mahatma aus seiner Trance.

Mahatma erfährt, dass Soraya entführt wurde und bricht zusammen. Er verkriecht sich unter dem Tresen und singt ein herzzerreißendes Liebeslied. Doch plötzlich taucht der Retter auf, genannt Amerigo Guttmensch, der auf der Jagd nach dem internationalen Terroristen Amor von Kaufland ist und seine Hilfe anbietet.

Mahatma hängt seine ganze Hoffnung an diesen strahlenden Helden und selbst der Guru ist beeindruckt - zumal er in dem gesuchten Terroristen jenen wiedererkennt, der mit seinen Geschäften  einst die überlieferten Verhältnisse im Dorf durcheinander brachte.  

Begeistert melden Mahatma und der Guru sich zum Feldzug gegen den Terroristen, doch zuvor müssen sie militärisch ausgebildet werden. Dabei fällt auf, dass Mahatma nicht laufen kann.  

Ein Blick ins Textbuch hilft weiter: Soraya hat noch vor ihrer Entführung das Geld für die Operation überwiesen - Mahatma ist operiert worden und kann wieder gehen.

 

 
   
                       
4. Akt

Kaufland versucht inzwischen, die gefangene Soraya zu seiner Geliebten zu machen. Plötzlich dringend von draußen die Rufe der Angreifer. Kaufland lacht und vertraut auf die Macht seiner Waffen

Soraya , beflügelt von der Stimme Mahatmas, fällt ihm in den Rücken und ermöglicht den Angreifern das Eindringen in die Burg. Der Guru macht mit seinen hypnotischen Fähigkeiten den bösen Burgherrn machtlos.

 Voller Hoffnung besingt Soraya die gemeinsame Zukunft und fällt aus allen Wolken, als Mahatma ihr klarmacht: Er ist wieder gesund und nicht mehr darauf angewiesen, dass seine Frau arbeiten geht. Sie wird am Herd stehen und sich um die Kinder kümmern, während er wie früher als Sänftenträger arbeiten wird.

Mahatma wird in seinem “fest und männlichen” Auftreten von den anderen Männern bestärkt. Mann steht sich bei, über ideologische Gräben hinweg. Soraya wird an den (Gas-) Herd gefesselt, ihr bleibt nichts übrig, als sich, Mahatma und seine "Freunde" mittels dieses Herdes in die Luft zu sprengen.

 

 
   
                       

 


 

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