Schafe sind angeblich nicht wählerisch. Aber das stimmt nur, wenn keine Auswahl ist. Also in den Hochsteppen des Himalaya oder so.
Im fruchtbaren Mitteleuropa dagegen können sie richtig mäkelig sein: Drei Tage lang nur Heu? Och nö. Fressen wir nicht. Manchmal streiken sie richtig.
Das Grün auf der anderen Seite des Zaunes ist sowieso immer saftiger. Und wehe eine der Maschen des Schafszauns ist größer als die anderen. Mit ihrem Gehörn und jeder Menge Zeit sind Schafe wie die Brandung. Früher oder später haben sie die Lücken so erweitert, dass sie sich durchzwängen können. Allerdings merken sie oft schon nach zwei, drei Halmen vom leckeren Fremdgras, dass sie jetzt draußen und die anderen noch drin sind. Mäh! Junge Lämmer, oder sagen wirs mal wie es ist: Jungs-Lämmer sind besonders geschickt im Ausbrechen: Sie kriechen unter dem Zaun durch. Das Geschrei ist groß, wenn dann die Mama seelenruhig auf der anderen Seite weitergrast. Da kann man die ganzen anderthalb Kilometer außerhalb des Zaunes um die Weide rennen ohne ein offenes Tor zu finden. Zum Glück hören die Hirten natürlich was los ist und kommen zu Hilfe.
Aber nun zu Elise: Schafe wissen offenbar nicht nur, was gut schmeckt, sondern auch was gegen Magendrücken, Pansenübersäuerung. Depressionen oder Gliederschmerzen hilft. Nein, das ist kein genetisch verankertes Wissen aus uralter Zeit, sondern Erfahrungswissen. Man muss es ausprobieren. Dabei verschätzt man sich gern auch mal in der Menge. Und wenn so ein Schaf zu viel Hanfblätter gefressen hat, ist es breit. "Zu viel" ist wirklich viel. Ein Mensch würde sich vermutlich lieber hinlegen, aber so ein Schaf namens Elise steht dann einfach eine Stunde mit glänzenden Augen wie festgenagelt.
🟢 verfügbar
„Elise“
1200,- €