Die Schule in Boitzenburg, seit dem Neubau nebenan „Alte Schule“ genannt, ist ein solider Wilhelminischer Klinkerbau mit ziegelroter Fassade. Finanziert wurde sie wesentlich durch Graf Dietlof von Arnim, dessen Patrimonialherrschaft im Baujahr 1906 zwar längst abgeschafft war, aber informell weiter wirkte.

1976 wurde der Schul-Neubau daneben errichtet. Nach dessen Sanierung 2004 standen moderne Klassenräume, eine große Turnhalle und Freiflächen zur Verfügung. Die Gemeindevertretung stimmte für einen Verkauf der Alten Schule, zumal die Prognosen ein weiteres Sinken der Schülerzahlen vorher sagten.
Der Geigenbauer Gert Eichhorn erwarb das Gebäude und versuchte, ein Konzept für kulturelle Nutzung, als Konzertort und Probenretreat für Musiker aus Berlin und Paris umzusetzen. 2024 musste er seine Pläne aus gesundheitlichen Gründen endgültig aufgeben. Seitdem steht das Gebäude leer und sucht einen Käufer. Die Gemeindevertretung und die Verwaltung haben einen Kauf erwogen, aber letztlich weder politisch noch finanziell darstellen können. Die Vorschriften für einen Schulbau führen zu Investitionen von bis zu 4 Millionen Euro, ohne das am Ende die Nutzbarkeit und Zulassung als Schule gesichert wäre.

Für Boitzenburg ist so eine unangenehme Situation entstanden. Ein ikonisches Gebäude mit hohem Identifikationspotential steht leer. Gleichzeitig ist mit 160.000 € VB der Kaufpreis deutlich gesunken. Es besteht die Gefahr, dass nun Schnäppchenkäufer zugreifen, die dann später mit den Folge- und Sanierungsaufgaben überfordert sind (Schätzungen gehen von bis zu 300.000 € Investitionsbedarf aus, nur um die Schule in ihrem jetzigen Zustand nutzbar zu machen). Eine von anderen Immobilien bekannte Verfallskaskade droht: Schon ist die Schuppentür im Hof aufgebrochen, eine Scheibe der Eingangstür wurde eingeworfen. Kleine Schäden (undichtes Dach, Feuchtigkeit) lösen Folgeschäden aus, die sich gegenseitig verstärken und den Verfall nicht linear, sondern exponentiell beschleunigen. Die Anzeichen der Verwahrlosung wiederum senken die Hemmschwelle für Vandalismus und Brandstiftung.
Solche verfallenden Denkmale in Privatbesitz sind ein leider nur allzu typisches Phänomen in Brandenburg, und wir kennen das ja auch schon an anderer Stelle in Boitzenburg.

rund 3 x 300m² Nutzfläche auf einem Grundstück von reichlich 1.000 m² warten auf Nutzungsideen und Investoren

Natürlich wäre es nach wie vor am Besten und unumstrittener Plan A, wenn ein Investor käme und das Gebäude sanierte und für Wohnungen, Büros oder was auch immer nutzte. Die Wahrscheinlichkeit allerdings ist gering, schließlich haben schon seit zehn Jahren verschiedene Makler versucht, die Schule zu verkaufen.
Aber es gibt Lichtblicke und Chancen:
Der Érard-Flügel von Gert Eichhorn, ein frühromantisches Instrument, konnte mit einer Spende von Daniel Haver (Klosterpark) gekauft werden, bleibt uns also erhalten und steht noch in der Aula. Diese Art Flügel ist berühmt für seine leichte Mechanik und den klaren, transparenten Klang. Érard-Instrumente wurden u. a. von Chopin, Liszt und Mendelssohn gespielt und sind für historische Aufführungspraxis bis heute sehr geschätzt.
Die Gemeinde könnte für die Schule im Erdgeschoss Räume pachten und mit Proben-, Werk- und Musikräumen tagsüber Leben ins Haus bringen, während die Räume abends der Gemeinde und Vereinen offen stünden. Im 1. Obergeschoß ließen sich kleine, flexible Büros für lokale Firmen einrichten, für die es nachweislich Bedarf gibt und die stabile Einnahmen für die Deckung der etwa 30.000 € Betriebskosten/Jahr ermöglichen würden. Monteurszimmer oder eine kleine Ferienwohnung im Dachgeschoss würden für Radtouristen und Saisonarbeitskräfte zur Verfügung stehen. In der Aula könnte die Gemeindevertretung tagen, auch könnten wieder Konzerte und andere, auch kommerzielle Veranstaltungen stattfinden.
Zu jedem Einzelnen dieser Punkte gibt es Einschränkungen, Fragezeichen und zahlreiche mögliche Bedenken. Aber es gibt auch Pluspunkte. Der wichtigste von allen: Viele Boitzenburger sind der Alten Schule sehr verbunden.
Die Idee ist ein gemeinsames Wagnis: selbst Hand anlegen, Wissen und Zeit einbringen und das Projekt zusätzlich über viele kleine Beiträge tragen – ein Crowdfunding, das nicht anonym bleibt, sondern sichtbar macht, wer diese Schule will. Das ist vielleicht ein bisschen verrückt, sicher nicht risikofrei, aber genau darin liegt die Chance: Aus einem gefährdeten Gebäude ein gemeinsames Abenteuer zu machen, bei dem Engagement, Vertrauen und viele kleine Beträge zusammen etwas Großes möglich machen.
Noch ist die Schule keine Ruine. Der lockere Putz müsste saniert und im Haus einiges am Brandschutz gemacht werden, damit das Gebäude zumindest erstmal für die Öffentlichkeit betretbar und nutzbar ist. Der von der Schule zu nutzende Bereich müsste kindersicher abgegrenzt werden. Das ist überschaubar und könnte zumindest teilweise mit Arbeitseinsätzen und mit Hilfe örtlicher Betriebe erledigt werden. Dach, Heizung und Fenster müssen zwar saniert werden, aber nicht sofort. Vielleicht lässt sich das später mit Fördermitteln realisieren.
Als Träger käme eine Genossenschaft in Frage, vielleicht aber besser eine leichter zu gründende gemeinnützige GmbH mit einer Kommanditgesellschaft (vielleicht hat mancher das schon mal gehört in der Form „gGmbH & Co. KG“), die Anteilsscheine ähnlich wie eine Aktiengesellschaft ausgeben kann.
Wir wollen zügig, aber nicht überstürzt vorgehen. Im ersten Quartal 2026 wollen wir mit einer Projektgruppe aus fünf bis maximal 10 Personen Chancen und Risiken abwägen, in der Bevölkerung Rat und Bereitschaft erfragen, das Vorgehen mit der Verwaltung abstimmen, auch schon mal mit dem einen oder anderen Unternehmer über Möglichkeiten der Unterstützung reden. Wer Interesse hat und ein bisschen Zeit mitbringen kann, meldet sich bitte beim Vorsitzenden des Fördervereins Boitzenburger Land Holger Siemann 0163 3273041.
Im Frühsommer wollen wir auf einer ersten Einwohnerversammlung zur Alten Schule die Ergebnisse vorstellen und gemeinsam beschließen, ob wir das Wagnis angehen – oder lieber nicht.