Schultheater

Potentiale

Während die „Drama Education“ im angloamerikanischen Raum fest in Curricula und Lehrerbildung verankert ist, wird das Darstellende Spiel in allen deutschen Bundesländern überwiegend als künstlerisches Zusatzfach oder Projektform verstanden. Entsprechend wird DS hier als eine Art Schutzraum verstanden, in dem Kinder und Jugendliche ausprobieren können, wie es ist, jemand anderes zu sein ohne sofort bewertet zu werden. Oder der LehrerInnen-Ehrgeiz steht im Fokus oder das Präsentationsbedürfnis der Schule: „Wenn wir schon wertvolle Lernzeit opfern, dann muss wenigstens eine Aufführung zum 100. Geburtstag unserer Schule rausspringen“. Beides ist auch ok, aber eine enorme Verkürzung der Möglichkeiten und es illustriert vor allem die historisch gewachsene fachsystematische und kognitiv geprägte Unterrichtstradition in unserem Land. Salopp gesagt: Einpauken des Kanons zur Rettung des Abendlandes geht noch immer vor Handlungs- und Sozialkompetenz in einer sich wandelnden Welt.

Was Darstellendes Spiel sein könnte, ist viel mehr, nämlich
– ein aktives Lernwerkzeug sein, mit dem Kinder und Jugendliche Denken, Sprache, Emotionen und soziale Rollen entwickeln,
– Lernen durch Handeln ermöglichen,
– ein zentraler Weg zu Verstehen, Selbstwirksamkeit und sozialer Kompetenz sein.

Wenn Sie mir bis hier folgen konnten, habe ich eine Idee für Sie: Statt den Kanon nach geeigneten Stücken zu durchsuchen, entwickeln Sie mit den Kindern einfach selbst ein Drama aus Ihrem und ihrem Leben. Sie brauchen keinen vorgeschalteten Extrakurs in kreativem Schreiben, sondern nur ein bisschen Mut zum Risiko – denn was dabei herauskommt ist zu Beginn noch ganz offen. Der Weg ist das Ziel. Da ich nicht mehr so gern herumreise, biete ich Beratung (für LehrerInnen) und dramaturgische Hilfe bei der Stückentwicklung (online) an.

Rückblicke

Von 2005 bis 2009 habe ich an Schulen in Berlin, Niedersachsen, Hessen und in Amsterdam Workshops zur Stückentwicklung geleitet. Ziel war jeweils die Erarbeitung eigener Spielvorlagen anstelle der Einstudierung von „Klassikern“.

Der Weg führte vom Einführungs- und Übungsworkshop „Erzählen im Theater“, über die Suche nach einem Stoff – der oft auch eine Selbstreflektion der Teilnehmenden wurde, zum Schreiben und Einstudieren der Szenen und schließlich zur Aufführung vor Eltern, Lehrern und Mitschülern. Das ging nicht immer reibungslos, denn zur kreativen Arbeit gehören auch Misserfolge und Rückschläge, mit denen man umgehen lernen muss.

Aber es zeigte sich in allen Projekten, dass großes Potential für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen im Darstellenden Spiel, vor allem in der Gestaltung eigener Konflikte und Lebenswirklichkeiten, liegt. Selbst die Workshops, die kein aufführbares Stück zur Folge hatten, waren eine anregende Erfahrung für die teilnehmenden Schülerinnen (es waren, bis auf sehr wenige Ausnahmen, tatsächlich fast immer Mädchen, die sich die dramaturgische Arbeit zutrauten).